Was wäre eine Nordische Ski-WM ohne die Exoten?

Nicholas Lau aus Trinidad-Tobago und Nzumbe Nyanduga aus Tansania sorgen für internationales Flair bei den Langlauf-Wettbewerben
Athleten aus Trinidad-Tobago wird man auf Anhieb genauso wenig als Teilnehmer am Langlauf-Sprint vermuten wie einen Sprintspezialisten aus Kamerun. Denn auch wenn derzeit die Temperaturen in Oberstdorf eher frühlingshaft daherkommen und die Athleten ins Schwitzen bringen, zählen diese Länder nicht gerade zu den klassischen Wintersportnationen. Dennoch werden Nicholas (Nick) Lau aus Trinidad und Nzumbe Nyanduga aus Tansania am Start sein. Sie läuten mit den Qualifikationsrennen noch vor der offiziellen Eröffnung die Wettbewerbe traditionell ein.
Im wahren Leben ist der 41-jährige Nick Lau ein Allrounder im Sportwesen. Er lebt in der Schweiz und arbeitete 11 Jahre beim Internationalen Fußballverband FIFA. Der frühere Harvard-Student war als Deputy Head Planung für die FIFA World Cups 2018 & 2022 tätig bevor er sich in dem Bereich selbständig machte. Den Langlaufsport hat der Mann aus Trinidad-Tobago jedoch erst vor drei Jahren für sich entdeckt. Mit dem Start bei der Nordischen Ski-WM in Oberstdorf will er sich für die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking empfehlen.
Diesen Traum möchte sich auch Nzumbe Nyanduga (32) aus Tansania erfüllen. Er arbeitet in Vollzeit beim Olympischen Komitee in Lausanne (SUI). Hinter seinem Start in Oberstdorf liegen auch bürokratische Hindernisse. So musste er zunächst einmal in seinem Heimatland einen Winter Sport Verband überhaupt erst gründen (FIS Anerkennung im Mai 2020). Und vor ihm liegt auch noch eine sportliche Hürde: Entsprechend der FIS-Bestimmungen muss auch er sich in den Qualifikationsrennen bei der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft bewähren.
Froh sind die beiden Sportler, die als Farbtupfer so sehr zum Internationalen Flair einer WM beitragen, über die Unterstützung etablierter Teams und Athleten. So haben Nicholas Lau und Nzumbe Nyanduga in den letzten Wochen und Monaten mit den Athleten und Mannschaften aus China, Brasilien, Schweiz, USA, Frankreich, Argentinien, Irland und Griechenland trainiert und auch von deren professioneller Erfahrung lernen dürfen. Betreut werden sie liebevoll von einer langjährigen Studien-Freundin. Kristina Fraesdorf hat mit den beiden Nordic Sportlern gemeinsam in England, Italien und der Schweiz den FIFA-Master in Sportwissenschaften, Sportmanagement und Sportrecht absolviert. Und dafür werden lediglich pro Jahr ca. 30 Leute weltweit ausgewählt. Allein darin sind die drei somit schon weltmeisterlich.